Weisses und rotes Tantra – zwei Wege, eine gemeinsame Quelle

Wenn wir das Wort Tantra hören, denken viele Menschen zunächst an Berührung, Sinnlichkeit oder Rituale. Doch die Wurzeln des Tantra reichen viel tiefer. Tantra ist nicht einfach eine Lehre. Tantra ist eine Art, das Leben zu betrachten. Es ist die Vorstellung, dass alles, was existiert, Ausdruck einer einzigen Wirklichkeit ist. Nichts ist getrennt. Nichts steht ausserhalb dieser Wirklichkeit.

 

Der Himmel gehört ebenso dazu wie die Erde.

Der Körper gehört ebenso dazu wie das Bewusstsein.

Die Stille gehört ebenso dazu wie die Bewegung.

Die Freude gehört ebenso dazu wie der Schmerz.

Shiva und Shakti – der Tanz des Lebens

Im Zentrum vieler tantrischer Traditionen stehen die beiden grossen Archetypen Shiva und Shakti.

Shiva verkörpert das Bewusstsein. Er ist die Stille hinter allen Gedanken, der Beobachter hinter allen Erfahrungen und die Weite hinter allen Erscheinungen.

Shakti verkörpert die schöpferische Kraft des Lebens. Sie ist die Bewegung, die Veränderung, die Lebendigkeit und der fortwährende Wandel der Welt.

Gemeinsam bilden sie den Tanz des Lebens.

Das rote Tantra – der Weg des Lebens

Das rote Tantra beschreitet einen anderen Weg.

Es wendet sich nicht von der Welt ab, sondern der Welt zu.

Der Körper wird nicht als Hindernis betrachtet, sondern als Tempel.

Die Sinne werden nicht unterdrückt, sondern bewusst wahrgenommen.

Gefühle werden nicht bekämpft, sondern verstanden.

Das Leben selbst wird zur spirituellen Praxis.

Jeder Atemzug, jede Begegnung und jede Erfahrung können zu einer Einladung werden, bewusster zu leben.

Unsere Sichtweise bei «Alles ist Eins»

Im Laufe der Jahre haben wir erkannt, dass sich das weisse und das rote Tantra nicht widersprechen. Vielmehr ergänzen sie sich gegenseitig. Das weisse Tantra erinnert uns daran, innezuhalten, zu beobachten und bewusst wahrzunehmen. Das rote Tantra erinnert uns daran, dass der Körper, die Gefühle, die Sinne, die Begegnung und die Lebensenergie ebenso Teil unseres Weges sind.

 

In unserer Schule verbinden wir diese beiden Sichtweisen miteinander. Ein grosser Teil unserer Arbeit ist von Meditation, Achtsamkeit, Bewusstheit, Gleichmut und der Haltung der absichtslosen Präsenz geprägt. Gleichzeitig beschäftigen wir uns mit Berührung, Polarität, Verbundenheit, Hingabe und der Erfahrung von Lebendigkeit.

 

Vielleicht könnte man sagen, dass uns das weisse Tantra lehrt, den Himmel in uns zu entdecken, während uns das rote Tantra dazu einlädt, auch die Erde zu umarmen.

 

Denn aus unserer Sicht entsteht Ganzheit nicht dadurch, dass wir einen Teil von uns ablehnen, sondern dadurch, dass wir lernen, beide Seiten anzunehmen.

Vielleicht ist genau das die tiefste Bedeutung unseres Namens:

Alles ist eins.

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